
Panik. Überforderung. Hilflosigkeit.
All das fühlen wir, wenn wir mit Suizidgedanken konfrontiert werden.
Du möchtest helfen. Und hast selbst viele Fragen.
Wenn uns eine nahestehende Person ihre Suizidalität anvertraut, fühlt es sich oft an, als ob uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wie kann das sein? Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich tun? Was passiert jetzt?
Was für Betroffene meist schon länger Thema ist, trifft Angehörige meist unvorbereitet. Die Sorgen sind dann groß, die Hilflosigkeit auch.
Was beschäftigt dich gerade?
Möchtest du wissen, wie du unterstützen kannst, mögliche Warnzeichen besser verstehen oder Unsicherheiten klären? Wähle das Thema, das dir gerade weiterhilft.
Was kann ich konkret tun?
Konkrete Möglichkeiten, wie du eine betroffene Person unterstützen und begleiten kannst.
Warnzeichen erkennen
Anzeichen können unterschiedlich sein. Erfahre, worauf du achten kannst.
Mythen & Unsicherheiten
Rund um Suizidalität gibt es viele Vorurteile und Unsicherheiten. Wir ordnen sie ein.
Wie kann ich helfen?
Wenn wir von der Suizidalität einer nahestehenden Person erfahren, ist die Überforderung oft groß. Ebenso der Wunsch zu helfen. Der Gedanke „Ich muss sofort etwas unternehmen.“ ist meist sehr laut.
Doch was kann ich eigentlich tun? Die Panik, die Viele in dem Moment verspüren, kann daran hindern einen klaren Kopf zu bewahren.
Das ist in dieser Situation normal, wenn auch unbefriedigend.
Allen Beteiligten fällt der Umgang mit Suizidalität schwer.
Sprich darüber. Hol dir Hilfe.
Suizidgedanken ernst nehmen
Menschen, die sich mit dem Thema noch nie auseinandergesetzt haben, fällt es möglicherweise schwer sich in die Gefühle und Gedanken der Betroffenen hineinzuversetzen. Die Suizidalität scheint zu verstörend, zu schwerwiegend, zu belastend.
Der Impuls die Äußerungen herunterzuspielen ist nicht unüblich. Doch müssen diese immer ernst genommen werden. Es kostet die Betroffenen viel Mut und Überwindung sich mitzuteilen. Sie wünschen sich gehört zu werden. Zuhören und Nachfragen schaffen Verständnis.
Nicht verurteilen
Suizidalität und psychische Erkrankungen sind stigmatisiert und tabuisiert. Da ist es nicht unüblich Vorurteile zu haben. Doch sind die Hintergründe oft viel komplexer als es auf den ersten Blick scheint.
Bleib offen und höre deinem Gegenüber zu.
Hilfe anbieten
Für Betroffene ist es meist sehr herausfordernd sich Hilfe zu suchen. Es kostet sie meist viel Kraft und Überwindung ihre Gedanken anzuvertrauen.
Du kannst Entlastung schaffen, indem du anbietest, gemeinsam mit der betroffenen Person nach professioneller Unterstützung zu suchen. Sie zu Terminen zu begleiten.
Ehrlich sein
„Ich darf meinen geliebten Menschen nicht zusätzlich belasten. Ich muss stark sein. Der anderen Person geht es doch so schlecht, da haben meine Sorgen keinen Platz.“
Diese Gedanken können schnell entstehen. Überforderung besteht auf beiden Seiten. Sorgen und Ängste auch. Ehrlichkeit kann Verbindung schaffen. Du darfst deine Gedanken klar formulieren und die betroffene Person daran teilhaben lassen.
Du könntest beispielsweise sagen: „Das macht mir Angst und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber ich bin für dich da und möchte zusammen mit dir einen Weg finden!“
Gemeinsam einen Notfallplan erstellen
Ein Krisen-Notfallplan ist dafür da der suizidalen Person Sicherheit zu schaffen. In einer akuten Krise fahren die Gefühle Achterbahn und es ist schwer einen klaren Gedanken zu fassen.
Gemeinsam könnt ihr den Notfallplan ausfüllen und überlegen, was der betroffenen Person helfen könnte. So hat sie einen Fahrplan für besonders herausfordernde Situationen.
Auch für dich selbst Hilfe suchen
Die Suizidalität einer nahestehenden Person ist für alle Beteiligten sehr belastend. So ist es völlig normal, dass vielleicht auch du Hilfe benötigst.
Du darfst dir professionelle Unterstützung suchen. Sorge gut für dich.
Warnzeichen erkennen
Die Person spricht davon …
- sich das Leben zu nehmen
- keine Hoffnung zu haben
- keinen Ausweg zu sehen
- für andere eine Belastung zu sein
- sich gefangen zu fühlen
- „versagt“ zu haben
- keinen Sinn im Leben zu sehen
Die Person fühlt sich plötzlich …
- traurig und/oder ängstlich
- leicht reizbar
- bei kleinsten Anlässen wütend
- stark in der Stimmung schwankend
- voller Scham
- lustlos bei Hobbys und Aktivitäten
- erschöpft
Die Person …
- zieht sich von Familie und Freunden zurück
- verändert ihre Ess- oder Schlafgewohnheiten
- konsumiert verstärkt Alkohol oder illegale Drogen
- zeigt riskantes Verhalten, wie z. B. schnelles Autofahren
- ist schnell aggressiv
- verschenkt ohne Anlass Gegenstände
- verabschiedet sich ungewöhnlich
Mythen über Suizidalität
„Über Suizidalität spricht man nicht!“
Viele Menschen sind von Suizidalität betroffen, ob persönlich oder im sozialen Umfeld. Dennoch wird das Thema tabuisiert. Ausgeklammert. Unter den Teppich gekehrt.
So entstehen schnell Fehlinformationen und Vorurteile, die wiederum das Verständnis und die Hilfe erschweren.
„Wer über Suizid redet, will nur Aufmerksamkeit!“
Wer über Suizid spricht, braucht Hilfe. Bringt die erlebte Not zum Ausdruck. Betroffene kostet es meist einiges an Überwindung über die eigenen Gedanken zu sprechen.
So ist es wichtig zuzuhören und das Gesagte ernst zu nehmen.
„Menschen, die einen Suizidversuch überlebt haben, wollten gar nicht wirklich sterben.“
Ob ein Suizidversuch zum Tod geführt hat oder nicht sagt nichts über die Absichten aus. Auch nicht darüber, wie die betroffene Person im Nachhinein darüber denkt. Ob sie einen weiteren Versuch anstrebt.
Die Suizidalität muss immer ernst genommen werden und die betroffene Person benötigt Hilfe. Meist sowohl psychisch als auch im Sinne der medizinischen Versorgung.
„Wer einmal einen Suizidversuch unternimmt, wird es immer wieder tun.“
Zwar ist ein Suizidversuch statistisch gesehen ein Risikofaktor für weitere Versuche oder Suizidhandlungen, jedoch bedeutet dies keineswegs, dass weitere Versuche unausweichlich sind.
Ein Suizidversuch ist Ausdruck einer tiefen inneren Krise. Gelingt es, die Ursachen der Krise aufzudecken und konstruktiv aufzuarbeiten, werden weitere Versuche unwahrscheinlicher.
„Suizid begehen nur Menschen mit psychischen Erkrankungen.“
Psychische Erkrankungen sind ein ernstzunehmender Risikofaktor für Suizidalität. Jedoch ist ihre Entstehung komplex und basiert häufig auf einer Lebenskrise.
Diese kann durch einen Schicksalsschlag, traumatische Erlebnisse oder Überforderung sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext entstehen. So kann es sowohl psychisch erkrankte Personen sowie nicht erkrankte betreffen.
„Wer eine Familie und viel Geld hat, begeht keinen Suizid.“
„Ihm muss es so gut gehen. Ihr Leben scheint perfekt.“
Von außen betrachtet wirken manche Lebensrealitäten so, als ob es den Personen gut gehen müsste. Doch sind Probleme im Leben komplex und oft nach außen hin nicht sichtbar.
Suizidalität kann alle Menschen betreffen, unabhängig von beispielsweise ihrem Einkommen, sozialen Umfeld oder Bildungsstand.
„Wenn ein Mensch sich das Leben nehmen will, tut er das so oder so.“
Menschen mit Suizidgedanken wissen meist nicht mehr weiter. Wie sie mit den Herausforderungen in ihrem Leben umgehen sollen. Sie sehen den Suizid oft als einzige Lösung ihrer Probleme an.
Professionelle Unterstützung kann den Betroffenen helfen die für sie unsichtbaren Alternativen zu erkennen. Neue Perspektiven zu erarbeiten.
„Wenn ich jemanden auf Suizidalität anspreche, bringe ich ihn nur auf falsche Gedanken.“
Diese Angst teilen viele Menschen, die das erste Mal mit hoch belasteten Personen in Berührung kommen. Fakt ist jedoch, dass man niemanden durch die Frage nach der aktuellen Suizidalität auf falsche Gedanken bringen kann.
Betroffene Personen empfinden meist Entlastung, da sie über ihre Gefühle und Gedanken sprechen können. Raum bekommen und sich gesehen fühlen.

Auch du darfst dir Hilfe holen
Für jemanden da zu sein, kann viel Kraft kosten. Du musst deine Sorgen nicht allein tragen. Finde Unterstützung, die auch dich stärkt.