
Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war.
Nach dem Verlust eines Menschen durch Suizid findest du hier Orientierung und Unterstützung.
Mit deiner Trauer nicht allein.
Der Verlust eines geliebten Menschen ist schmerzhaft. Wenn wir diesen durch einen Suizid verlieren, steht das ganze Leben plötzlich Kopf. Für viele scheint es aus heiterem Himmel zu kommen. Ohne Vorankündigung.
Mit dieser Situation umzugehen ist besonders herausfordernd. Die damit einhergehenden Gefühle sind oft überwältigend. Nicht mehr weiter zu wissen ist in dieser Situation ganz normal.
Umso wichtiger ist es gehört zu werden. Nicht allein zu sein. Um Hilfe zu fragen.
Was beschäftigt dich gerade?
Vielleicht suchst du Halt für den nächsten Moment oder Antworten auf konkrete Fragen.
Beginne dort, wo es für dich gerade passt.
Mit der Trauer umgehen
Gefühle verstehen und kleine Anhaltspunkte für den Alltag finden.
Die erste Zeit
Orientierung für die ersten Stunden, Tage und praktische Fragen.
Kinder begleiten
Worte finden und Kinder in ihrer Trauer unterstützen.
Gefühle, die du jetzt haben kannst
Nach einem Suizid können die unterschiedlichsten Gefühle entstehen. Manchmal fühlen sie sich sogar widersprüchlich an. Sind unerträglich.
Wut
Gedanken wie „Wie konntest du mir das antun? Mich alleine lassen?“ können Wut erzeugen. „Eigentlich möchte ich doch nur in Ruhe trauern. Wie kann ich gleichzeitig wütend auf dich sein und dich vermissen?“
Du darfst wütend sein.
Vielleicht fühlt sich deine Wut für dich in dieser Situation unpassend an. Wut und Trauer dürfen nebeneinander existieren. Du darfst deine Wut annehmen. Möglicherweise kann sie dir in deinem Trauerprozess sogar behilflich sein.
- Wut ist okay.
- Erlaube dir wütend zu sein.
- Finde heraus worauf du wütend bist.
- Benenne deine Wut.
- Gib deiner Wut Raum.
- Sprich über deine Wut.
- Wut tut gut. Nutze die Energie der Wut für etwas Positives.
Scham
Hinzu kommt die Scham über einen Suizid im eigenen Umfeld. „Was denken die anderen jetzt von uns? Wie konnte uns das nur passieren? Mit wem kann ich darüber sprechen, ohne verurteilt zu werden?“
Schäme dich nicht.
In Deutschland nehmen sich jährlich etwa 10.000 Menschen das Leben. Im Durchschnitt stehen hinter jedem Suizid sechs Hinterbliebene. Das macht circa 60.000 Menschen. Es betrifft also nicht nur dein Umfeld. Du bist nicht allein.
Sprich über deine Gefühle. Über deine Scham. Du wirst merken, dass es Vielen auch so geht wie dir.
Schuld
„Hätte ich es sehen müssen? Hätte ich es verhindern können? Hätte ich eingreifen müssen?“ Diese Fragen stellen sich Hinterbliebene nach einem Suizid besonders häufig. Oft nehmen sie viel Zeit und Raum ein. Bleiben lange.
Dich trifft keine Schuld.
Die Last der eigenen Suizidgedanken ist groß. Sie auszuhalten ist schwer. Sich mitzuteilen beinahe unerträglich. Betroffene haben oft Angst ihre Angehörigen zu belasten und zu überfordern. So sind sie meist bemüht niemanden an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben zu lassen. Je weiter die Suizidalität fortgeschritten ist, desto verschlossener werden die Betroffenen.
Menschen mit Suizidgedanken wollen nicht sterben. Das klingt erstmal widersprüchlich. Sie sehen den Suizid als Möglichkeit ihre Probleme zu lösen. Die belastende Situation zu beenden.
So wird deutlich, dass es für Angehörige unglaublich schwer ist die Suizidalität zu erkennen. Auch für Fachkräfte kann dies herausfordernd sein. So sei nachsichtig mit dir. Du hättest es wahrscheinlich nicht wissen können. Dich trifft keine Schuld.
Alle deine Gefühle sind okay und dürfen sein.
Weitere Gefühle dürfen sein
Neben der Wut, Scham und Schuld können dir weitere Gefühle begegnen. Vielleicht hast du das Gefühl versagt zu haben. Stellst möglicherweise in Frage, ob du deinen geliebten Menschen überhaupt richtig gekannt hast. Hast das Bedürfnis die Todesursache zu verleugnen.
Fragst dich, warum du für die verstorbene Person nicht Grund genug warst, um weiterzuleben. Fühlst dich allein gelassen. Weißt nicht, wie du nun selbst weitermachen sollst.
Versagen
Nach einem Suizid kann das Gefühl entstehen, versagt zu haben. Vielleicht fragst du dich, ob du etwas hättest erkennen, sagen oder anders machen müssen.
Solche Gedanken sind nachvollziehbar. Im Rückblick erscheinen Situationen manchmal eindeutiger, als sie in diesem Moment tatsächlich waren.
Selbstzweifel
Vielleicht stellst du deine eigenen Entscheidungen infrage oder gehst vergangene Gespräche und Situationen immer wieder im Kopf durch.
Diese Suche nach Antworten kann Teil der Trauer sein. Du musst heute nicht auf alle Fragen eine Antwort finden.
Perspektivlosigkeit
Ein Suizid kann das eigene Leben grundlegend erschüttern. Pläne, Gewohnheiten und Vorstellungen von der Zukunft können plötzlich ihre Bedeutung verlieren.
Es ist in Ordnung, wenn du im Moment noch nicht weißt, wie es weitergehen soll. Du darfst dir Zeit geben und Schritt für Schritt schauen, was dir Halt gibt.
Erleichterung
Auch Erleichterung kann nach einem Suizid auftreten – besonders dann, wenn der verstorbene Mensch lange gelitten hat oder die Zeit vor seinem Tod für alle Beteiligten sehr belastend war.
Dieses Gefühl kann irritieren oder Schuldgefühle auslösen. Erleichterung bedeutet nicht, dass du den Menschen weniger geliebt hast oder dir seinen Tod gewünscht hast.
Angst und Unsicherheit
Nach einem Suizid können Ängste entstehen: um andere nahestehende Menschen, um die eigene Zukunft oder davor, erneut einen Menschen zu verlieren.
Auch Unsicherheit im Umgang mit Familie, Freunden oder anderen Menschen kann dazugehören. Du musst mit diesen Gedanken und Ängsten nicht allein bleiben.
Alle Gefühle sind okay. Dürfen sein. Trauer ist individuell. Gib dir selbst Zeit und Raum das Erlebte zu verarbeiten. Mit allen Facetten.

Was dir im Alltag helfen kann
Trauer nach einem Suizid verläuft nicht nach einem festen Plan. Es kann Tage geben, an denen du dich etwas stabiler fühlst, und andere, an denen die Trauer wieder sehr präsent ist.
Es gibt kein Richtig oder Falsch im Umgang mit deinem Verlust. Entscheidend ist, was dir persönlich guttut und dir hilft, mit dem Erlebten umzugehen.
Gib deiner Trauer Raum
Trauer kann sehr unterschiedlich aussehen. Vielleicht bist du traurig, wütend oder verzweifelt. Vielleicht fühlst du zeitweise auch gar nichts. All diese Reaktionen dürfen da sein.
Versuche, dir selbst die Zeit zu geben, die du brauchst. Du musst nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder „funktionieren“ oder dich besser fühlen.
Achte auf deine eigenen Grenzen
Nach einem Suizid können selbst alltägliche Dinge viel Kraft kosten. Es ist in Ordnung, Verabredungen abzusagen, Aufgaben abzugeben oder dich zurückzuziehen, wenn dir gerade alles zu viel wird.
Gleichzeitig kann es helfen, Menschen in deinem Umfeld wissen zu lassen, was du gerade brauchst – auch wenn es nur Ruhe, Gesellschaft oder Unterstützung bei ganz praktischen Dingen ist.
Behalte kleine Strukturen im Alltag
In einer Zeit, in der vieles aus dem Gleichgewicht geraten ist, können kleine feste Abläufe Halt geben. Regelmäßige Mahlzeiten, Schlaf, Bewegung oder ein kurzer Spaziergang können dabei helfen, den Tag etwas zu strukturieren.
Es geht nicht darum, möglichst schnell wieder in den normalen Alltag zurückzukehren. Kleine Schritte reichen.
Sprich über den Menschen, den du verloren hast
Erinnerungen an den verstorbenen Menschen dürfen ihren Platz behalten. Über gemeinsame Erlebnisse zu sprechen, Fotos anzusehen oder persönliche Rituale zu entwickeln, kann ein Weg sein, die Verbindung zu bewahren.
Entscheide selbst, wann und mit wem du darüber sprechen möchtest. Du musst nichts erzählen, wozu du noch nicht bereit bist.
Du darfst dir Hilfe suchen!
Das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug können in dieser besonderen Situation schnell entstehen. Nimm dir Zeit, wenn du sie benötigst, doch scheue dich nicht, dich mitzuteilen.
Rede darüber. Tausch dich aus. Sprich über deine Gefühle. Über das Erlebte. Trauere gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen, wenn dir danach ist. Auch Freund*innen und Familienmitglieder, die möglicherweise nicht direkt betroffen sind, können eine große Stütze sein.
Ziehe dennoch in Betracht dir professionelle Unterstützung zu suchen. Fachkräfte können mit dir zusammen die Situation einordnen, dich in deiner Trauer begleiten oder gemeinsam mit dir eine neue Perspektive schaffen.
Es ging ihm doch besser? Sie wirkte doch wieder glücklich?
Ging es deinem geliebten Menschen nach einer schweren Krise plötzlich besser? Dachtest du er sei über dem Berg und dann kam doch plötzlich der große Schock?
Manche Menschen wirken kurz vor ihrem Suizid oder Suizidversuch deutlich entlastet. Der Abwägungsprozess davor ist für viele Betroffene sehr belastend und verstärkt oft die Krise. Diese Entlastung kann entstehen, nachdem sich die Person für den Suizid entschieden hat.
Dich trifft keine Schuld.
Nach dem ersten Schock
Vor allem in den ersten Stunden und Tagen nach einem Suizid fahren die Gefühle Achterbahn und Hinterbliebene wissen nicht wohin mit sich. Hier findest du wichtige Aspekte, die ein wenig Entlastung schaffen können.

Sicherheit schaffen
Achte darauf, dass du dir einen sicheren Ort suchst, an dem du zur Ruhe kommen kannst. Einmal durchatmen kannst. In einer turbulenten Zeit ist es wichtig auf sich selbst zu achten.
Zulassen und Zeit lassen
Den Suizid eines geliebten Menschen zu verarbeiten, braucht seine Zeit. Fassungslosigkeit, Leugnen, Unverständnis, Schmerz, Trauer, Verzweiflung. All das kann Teil des Prozesses sein.
Nimm dir alle Zeit der Welt. Akzeptiere deine Gefühle und gebe ihnen Raum. Sie dürfen alle sein.
Einordnen und verstehen lernen
Auch wenn Hinterbliebene oft nach dem Warum suchen, gibt es nicht den einen Grund. Die Erklärung für das Unsagbare. Die Hintergründe sind komplex.
Dennoch kann das Geschehene eingeordnet werden und Prozesse verstanden werden. Fachkräfte können dir helfen psychische Erkrankungen oder Suizidalität zu verstehen.
Unterstützung annehmen
Der Suizid eines geliebten Menschen ist für Hinterbliebene eine Extremsituation, die nicht allein bewältigt werden muss. Schäme dich nicht um Hilfe zu bitten.
Ob Familienmitglieder, Freund*innen oder Fachpersonen, es gibt viele Orte an denen dir geholfen werden kann. Du darfst dir Hilfe suchen.
Es gibt kein Richtig oder Falsch. Trauer ist individuell. Du darfst deinen Weg damit finden.
Was kommt nun auf mich zu?
Einen nahestehenden Menschen durch einen Suizid zu verlieren ist nicht nur emotional herausfordernd, es können auch anstrengende behördliche Prozesse auf Hinterbliebene zukommen. Für die man eigentlich gar keinen Kopf hat.
Damit du nicht unvorbereitet in unangenehme Situationen gebracht wirst, findest du hier eine Übersicht von dem, was auf dich zukommen kann.
Benachrichtigung von Angehörigen und nahestehenden Personen
Die Aufgabe das Umfeld nach einem Suizid zu benachrichtigen ist zunächst sehr belastend. Vor allem weil du womöglich selbst völlig überfordert bist. Du musst dies nicht allein machen. Such dir Hilfe.
Polizeiliche Untersuchung
Nach einem Suizid wird die Polizei benachrichtigt. Der Leichnam sowie persönliche Gegenstände werden hierfür möglicherweise beschlagnahmt.
Das kann für die Hinterbliebenen sehr belastend sein und das Gefühl erzeugen etwas falsch gemacht zu haben. Doch ist dies Teil des vorgeschriebenen Verfahrens und bedeutet nicht, dass jemand verdächtigt wird.
Identifizierung der verstorbenen Person
In manchen Fällen werden Hinterbliebene gebeten den Leichnam zu identifizieren. Das kann Angst machen. Du darfst dir dafür Unterstützung suchen oder darum bitten, dass dies jemand anderes übernimmt.
Autopsie
Zur genauen Ermittlung der Todesursache kann eine Autopsie angeordnet werden. Nachdem die Ermittlungen abgeschlossen sind, wird der Leichnam zur Bestattung freigegeben.
Beerdigung oder Beisetzung
Eine Beerdigung oder Beisetzung kann zunächst beängstigend und überfordernd sein, kann jedoch auch helfen Abschied zu nehmen und zu begreifen, dass die Person wirklich verstorben ist.
Wenn du einen Suizid miterlebt hast
Einen Suizid mitzuerleben kann tief erschütternd sein, unabhängig davon in welcher Beziehung man mit der verstorbenen Person stand.
Reaktionen nach einem belastenden Erlebnis
Bist du Zeuge eines Suizids geworden? Dann stehst du womöglich unter Schock, empfindest Hilflosigkeit oder Schuldgefühle. Hast belastende Bilder im Kopf. Deine Gedanken fahren Achterbahn.
Du darfst dir Hilfe suchen. Ob mit vertrauten Personen oder bei professionellen Anlaufstellen. Sprich über das Erlebte. Denn Reden hilft.

Wie erzähle ich meinem Kind davon?
Dem eigenen Kind zu erzählen, dass sich der Papa, die Mama oder eine andere nahestehende Person suizidiert hat, ist besonders herausfordernd. Der Impuls sein Kind schützen zu wollen und das Geschehene besser zu verheimlichen ist ganz normal.
Ehrlich und altersgerecht erklären
Kinder und Jugendliche sind feinfühlig und verstehen oft direkt, dass etwas passiert ist. Sie brauchen nun Bezugspersonen, die sie ernst nehmen, ihnen altersgemäß das Geschehene erklären, ihre Fragen beantworten und ihnen Sicherheit geben. Ihnen Raum für ihre Gefühle geben und bedingungslos für sie da sind.
Du musst das nicht allein erklären
Die richtigen Worte zu finden ist schwer. Du darfst dir dafür Hilfe suchen. Fachkräfte können dir helfen einen Weg zu finden in der Familie über das Erlebte zu sprechen.
Möglicherweise kann auch eine andere erwachsene Bezugsperson eine Stütze für dein Kind sein. Du darfst dir Hilfe suchen.
Weiterführende Unterstützung
Die AGUS-Selbsthilfe bietet Informationen dazu, wie Kinder und Jugendliche nach einem Suizid altersgerecht begleitet und in ihrer Trauer unterstützt werden können.

Reden hilft!
Vielleicht fehlen dir gerade die Worte. Du darfst erzählen, Fragen stellen oder einfach jemanden an deiner Seite wissen. Unterstützung ist für dich da – in deinem Tempo.